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Modul 00
TRAININGSMATERIAL FÜR DIE GEFÄHRDUNGSBEURTEILUNG EINFÜHRUNGSMODUL
Die "WAS", "WARUM" und "WER" Fragen
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M00.02.01 Die „WAS" Frage: Basisdefinitionen und Erklärungen
Gefahr ist irgend etwas mit dem Potential, Schaden zu verursachen
Gefahrenquelle ist irgend etwas (Objekt, Substanz, Werkzeug, Maschine, Tätigkeit, Benehmen, usw.), das zur Ursache einer oder mehrerer Gefahren werden kann, die Schaden verursachen
Risiko ist die Wahrscheinlichkeit eines potentiellen Schadens (Verletzung, Krankheit, Tod) durch die Exposition gegenüber einer Gefahr
Diese Begriffe werden oft synonym oder falsch gebraucht, deshalb werden im Folgenden einige Beispiele angegeben. In diesen Beispielen ist jeweils eine Situation beschrieben, nur eine Gefahrenquelle ist identifiziert und nur eine der mit der identifizierten Gefahrenquelle verbundenen Gefahren ist dargestellt.
- Beispiel 1:
Arbeiten am Dach eines Gebäudes werden auf einer Baustelle ausgeführt
- Quelle der Gefahr: Arbeiten in der Höhe über dem Boden
- Gefahr: Fallende Objekte vom Dach des Gebäudes
- Risiken: Ein Arbeiter am Boden wird vom fallenden Objekt getroffen und verletzt.
- Beispiel 2:
Ein Fahrzeugführer muss Wartungsarbeiten an Kraftfahrzeugen durchführen
- Quelle der Gefahr: Motoröl
- Gefahr: Verschütten von Öl auf die Hand des Beschäftigten
- Risiko: Hautirritation
- Beispiel 3:
Ein Bediener wird darum gebeten, an einer Schneidemaschine während zwei aufeinander folgender Schichten zu arbeiten
- Quelle der Gefahr: Überstunden
- Gefahr: Der Bediener, der zu müde ist, vergisst die Sicherheitsabschirmung der Schneidemaschine zu schließen
- Risiko: Die Maschine schneidet einen Finger des Bedieners ab
- Beispiel 4:
Ein Beschäftigter wird darum gebeten, mit Zucker gefüllte große Säcke zu heben und zu tragen
- Quelle der Gefahr: Schwere Last
- Gefahr: Manuelle Handhabung der schweren Last
- Risiko: Rückenverletzung
Aus den oben genannten Definitionen wird ersichtlich:
- Die Gefahrenquelle hat eine physische Substanz und ist immer vorhanden.
- Die Gefahren treten bei einer Tätigkeit in Gegenwart der damit verbundenen Gefahrenenquellen auf, das bedeutet, dass sie immer vorhanden sind.
- Das Risiko, bezogen auf die Gefahren bei einem Arbeitsgang, hängt von den umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen ab, das bedeutet, dass die Risiken abnehmen, wenn die Präventionsmaßnahmen zunehmen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten der Kategorisierung von Gefahren. In einem bestimmten Arbeitsbereich können Gefahren für jeden Arbeitsplatz tätigkeits- und aufgabenbezogen oder ursachenbezogen kategorisiert werden. In den meisten Fällen wird eine Kombination dieser zwei Ansätze angewandt. Die folgende Tabelle stellt häufig benutzte Gefährdungskategorien in Verbindung mit den jeweiligen Gefahrenquellen und den entsprechenden potentiellen Schäden dar.
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Gefahrenquellen
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Kategorie der Gefahren
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Potentielle Schäden
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| Elektrische Installationen, elektrische Geräteausstattung |
Elektrische Gefahren |
Verbrennungen, Feuer, elektrische Schläge |
| Maschinen, Hebevorrichtungen, Fahrzeuge, Transport |
Mechanische Gefahren |
Verletzung, Tod |
| Chemische Substanzen, Emissionen (Gase, Dämpfe, Dünste, Stäube), undichte Stellen, leicht entzündliche Materialien |
Chemische Gefahren |
Gesundheitsprobleme, Irritationen, Kopfschmerzen, Krebs, Tod, Explosionen, Brände |
| Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Parasiten, Schimmel, usw.), Laborkulturen, Tiere, Pflanzen |
Biologische Gefahren |
Gesundheitsprobleme, Allergien, Legionärskrankheit |
| Laute Arbeitsvorgänge und Maschinen |
Lärm |
Verlust des Gehörs, psychische Belastungen |
| Vibrierende Handmaschinen |
Vibration |
Durchblutungsstörungen der Hände |
| Arbeiten in der Höhe, beschränkter Platz |
Arbeitsbedingungen |
Verletzungen, Gesundheitsprobleme, Tod, Explosionen, Feuer |
| Büroausrüstung, manuelle Handhabung, physische Belastung, schwierige Haltungen |
Ergonomische Gefahren |
Muskel-Skelett-Erkrankungen |
| Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit |
Mikroklima am Arbeitsplatz |
Gesundheitsprobleme |
| Ionisierende Strahlung, UV-Strahlung, Infrarotstrahlung, elektromagnetische Felder, Mikrowellen |
Strahlung |
Verbrennungen, Augenverletzungen, Gesundheitsprobleme, Krebs, Feuer |
| Rutschige Böden, unebene Oberflächen, Beleuchtung, Leitern, Ausgänge, Schilder, Belüftung, Platz |
Arbeitsumgebung |
Verletzungen durch Fall, Ausrutschen, Stolpern; Gesundheitsprobleme |
| Unordnung |
Ordnung und Sauberkeit |
Verletzungen |
| Sanitär- und Pausenräume, Erste Hilfe |
Sozialeinrichtungen |
Infektionen, Verschmutzungen, Krankheiten |
| Arbeitsorganisation, Arbeitsbelastung, sich wiederholende Arbeit, Arbeitsschichten, Isolation, Beziehungen unter den Arbeit-nehmern, Beziehungen zum Management, geringe Mitsprache, Unterstützung und Beteiligung, Belästigungen, Gewalttätigkeit, Mobbing, persönliches Temperament |
Psychosoziale Gefahren |
Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, nervöse Störungen, Stress |
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Arbeitsschutzprinzipien erfordern die Beseitigung von Risiken bei jeder Tätigkeit
Wenn man annimmt, dass Gefährdungen bei allen Aktivitäten bestehen, können die damit verbundenen Risiken nur durch die Anwendung von angemessenen Sicherheitsmaßnahmen ausgeschaltet oder wenigstens minimiert werden. Diese Maßnahmen können durch den Prozess der Gefährdungsanalyse festgestellt werden.
Gefährdungsbeurteilung ist der Prozess, bei dem identifiziert wird, welche Risiken am Arbeitsplatz existieren und wie wahrscheinlich es ist, dass diese Risiken Schäden und Verletzungen von Beschäftigten und anderen Personen verursachen. Daraus ist dann eine Entscheidung über Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Die Gefährdungs¬beur¬teilung ist ein systematischer und dynamischer Prozess zur Schaffung einer gesünderen und sichereren Arbeitsumgebung.
Die Gefährdungsbeurteilung ist die Grundlage des Arbeitsschutzsystems einer Firma, dessen Ziel es ist, dass niemand krank oder durch Arbeitsaktivitäten verletzt wird.
Sie ist nichts anderes als eine sorgfältige Untersuchung, was am Arbeitsplatz Gesundheitsbeeinträchtigungen verursachen könnte, so dass abgeschätzt werden kann, ob ausreichende Vorsorgemaßnahmen vorhanden sind oder mehr getan werden muss, um Beeinträchtigungen und Krankheiten zu verhindern.
Die Gefährdungsbeurteilung beinhaltet die Identifizierung der Gefährdungen und die Abschätzung der jeweiligen Risiken unter Berücksichtigung existierender Vorsorgemaßnahmen und ihrer Effektivität. Abhängig von der Beurteilung können neue Maßnahmen vorgeschlagen werden. Offensichtlich ist die Komplexität der Gefährdungsbeurteilung direkt proportional zur Komplexität der Tätigkeiten am jeweiligen Arbeitsplatz. In kleinen Firmen mit wenigen oder einfachen Risiken ist die Gefährdungsbeurteilung ein mehr oder weniger simpler Vorgang und es werden keine speziellen Kenntnisse benötigt, während an großen und risikoreicheren Standorten ein ausgefeilterer Ansatz nötig ist, besonders für neuartige oder komplexe Arbeitsprozesse oder wenn strengere gesetzliche Anforderungen anzuwenden sind.
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M00.02.02 Die „WARUM“ Frage: Der Nutzen für alle
Das Ziel der Risikobeurteilung ist es sicher zu stellen, dass niemand verletzt oder krank wird. Die Leistungen einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung dienen dem Nutzen sowohl der Beschäftigten, wie des Arbeitgebers. Wenn ein Arbeitsbereich ordentlich analysiert wurde und jeder Arbeiter angewiesen wurde, wie er seine Arbeit sicher durchführt, ergeben sich die folgenden Hauptvorteile:
Für die Beschäftigten:
- Ausschaltung der Sorge um seine/ihre persönliche Sicherheit und die Sicherheit seiner/ihrer Kollegen
- gesteigerte Arbeitszufriedenheit und als Folge größere Produktivität
- Aufbau einer fruchtbaren Kommunikation mit dem Management
Für den Arbeitgeber:
- Kein Produktivitätsverlust durch Unfälle
- Keine beschädigten Maschinen aufgrund der Nichteinhaltung von Präventionsmaßnahmen
- Keine Erhöhung von Versicherungskosten
- Keine Kompensationskosten durch Arbeiter, deren Gesundheit durch Arbeitsunfälle oder arbeitsplatzbezogene Krankheiten ruiniert worden ist.
- Übereinstimmung mit den rechtlichen Anforderungen
- Etablierung eines mitarbeiterorientierten Images in der Öffentlichkeit
Es ist wichtig, die Gefährdungsbeurteilung nicht nur als zusätzliche Papierarbeit anzusehen. Die Gefährdungsbeurteilung muss mit der Intention durchgeführt werden Präventionssysteme aufzubauen. Die Gefährdungsbeurteilung sollte als ein Werkzeug zur Verbesserung der Präventionspolitik betrachtet werden. Sie sollte nicht nur daraus bestehen, Checklisten aufzustellen und zu bestimmen, welche notwendigen Kontrollmaßnahmen angewandt werden müssen. Die Gefährdungsbeurteilung muss einen Schritt weiter gehen und die skizzierten Präventionsmaßnahmen in die Arbeitsorganisation integrieren.
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M00.02.03 Die „WER“ Frage: Beteiligung und Verantwortlichkeiten
Die Person oder das Team, das die Gefährdungsbeurteilung durchführt, muss eine ausreichende Ausbildung, Erfahrung und Grundlagenwissen besitzen, um die Risiken zu identifizieren und die Effektivität der Vorsorgemaßnahmen zur Risikobegrenzung abschätzen zu können.
In kleinen Firmen könnte der Arbeitgeber oder ein Mitglied des Managements die Kompetenz für diese Aufgabe haben, während in größeren Firmen die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder ein Team die Gefährdungsbeurteilung durchführen sollte. Manchmal wird diese Aufgabe auch an externe Berater vergeben.
Die Gefährdungsbeurteilung kann durchgeführt werden von:
- der Fachkraft für Arbeitssicherheit des Unternehmens, wenn eine solche existiert.
- Dem Arbeitgeber selbst, wenn er ein entsprechendes Training absolviert hat und entsprechende Nachweise besitzt.
- Externen Beratern: Ein möglicher Nachteil dieses Ansatzes ist, dass Berater oft nur einen sehr groben Überblick über das spezielle Unternehmen besitzen. In den meisten Fällen hat eine externe Beraterfirma auch keinen wirksamen Einfluss darauf, Präventionsmaßnahmen in die Arbeitsorganisation zu integrieren, was zu reiner Papierarbeit führen kann.
In jedem Fall erfordert die Gefährdungsbeurteilung eines Arbeitsbereiches die aktive Beteiligung der Beschäftigten und ihrer Sicherheitsbeauftragten (Konsultation). Das bedeutet, mit den Leuten, die die Arbeit durchführen, zu reden und ein praktisches Verständnis von den Risiken und Gefährdungen zu gewinnen. Mit anderen Worten: in erster Linie zu beobachten, was los ist. und nicht nur am Schreibtisch zu sitzen und Handbücher zu lesen. Es ist für die Gefährdungs-beurteilung wichtig, alle Informationen, die auf den subjektiven Erfahrungen der Arbeitnehmer beruhen, zu berücksichtigen, weil diese die reale Arbeitssituation widerspiegeln. Niemand kennt die Probleme einer Arbeit besser als der Arbeiter, der sie durchführt. Allerdings sollte, auch wenn Sicherheitsfachkräfte bei der Gefährdungsbeurteilung eines Arbeitsbereichs hinzugezogen und um Stellungnahme gebeten werden, die Verantwortung für die Durchführung beim Management liegen.
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